Rosenkranz

Epoche: 
Scholastikat

Immer beugt sich jemand, wenn ein Segen rinnt,
ungeboren segnet nur der Jungfrau Kind,
dem die Menschenwiegen nicht genügen;
ein Herz nur gab es, das ihm würdig war:
Wachse, Wiege, werde ein Altar!

Tränen fluten über eine Welt von Weh;
Geiβeln bluten, und ein Leib wie Schnee
ist die einz´ge Rose unter Dornen;
nie hat ein Wurm sich so gekrümmt vor Not:
Warum hast du mich verlassen, Gott?

Keine Siegel sperren, wenn die Wahrheit wacht,
über Sternen weiβ die Hoffnung ihre Macht,
doch die Liebe weilt schon in der Liebe,
die Braut im Lichte und das Licht in ihr:
Alle Welten, Jungfrau, dienen dir.

Simpelveld, 10.6.1949