Maran Atha

Epoche: 
Scholastikat

Als du zum ersten Mal um ihn die Windel hülltest,
sahst du ihn weinen, deinen Sohn und Gott;
des Vaters Wille ward ihm Milch und Brot,
da du, o Mutter, liebend ihm den Hunger stilltest.
Und in den lieben Zügen las dein Auge lange
das Abschiedswort, das er zum Vater sprach,
- er war dein Buch, du betetest ihm nach -:
Ich komme wieder mit den Menschen, die ich fange.
Da wolltest du sein erstes Opfer sein,
du lieβest sich durch seine Liebe binden:
Komm an mein Herz, damit dich viele finden,
komm an mein Herz, o Kind, o Heiland mein!

Als du am letzten Tag bei seinem Kreuze standest,
sahst du ihn bluten, deinen Bräutigam;
er bot den Jünger dir zum Sohne an,
weil du dein Herz, o Braut, mit Jesu Herz verbandest.
Noch in den toten Zügen lasest du mit Beben
sein Abschiedswort an diese arme Welt:
Ich komme wieder, das verlaβ´ne Zelt
für ewig göttlich mit Verklärung zu durchweben.
Da wolltest du das Morgenrot ihm sein,
ein Freudenmeer für uns mit lichter Gabe.
Dein Sehnen rief die Sonne aus dem Grabe:
Komm, Sieger, Heiland, komm, o König mein!

Seit Anbeginn hält uns dein Mantel fest umschlungen,
du siehst in uns das Antlitz deines Sohnes,
wir sehen dich zur Rechten seines Thrones,
wir haben dir die schönsten Lieder stets gesungen.
Als Jesu Mittlerin von Gott für uns erkoren,
läβt du ihn wiederkehren Jahr für Jahr.
du legst ihn täglich neu auf den Altar,
du hast ihn nicht umsonst zum Heil der Welt geboren.
Wir wollen Gottes Tabernakel sein,
du muβt uns deine Christusliebe lehren,
bis alle Völker deine Losung hören:
Komm Christus, König, alle Welt ist dein!

O Schmerzensmutter, sieh wie deine Kinder sterben,
die Hölle wütet, gib uns Heldenmut,
daβ nicht umsonst versickert Christi Blut,
sei wieder Mutter, wecke neue Christuserben.
Schau, wie die Scharen auf dem Schlachtfeld stumm verbluten,
sie griffen nicht zu deiner starken Wehr,
sprich du ein Fiat für das tote Heer,
damit der Geist die bleichen Glieder neu durchblute.
Dann wollen wir die treuen Knechte sein,
gegürtet jeder und das Licht entzündet,
bis uns der letzte Morgen betend findet:
Komm, Jesus, Herr, hol deine Kirche heim!

Burgbrohl, 22.7.1947