Der Kunstfreund

Epoche: 
Lieder eines strengen Winters

Mein Nachbar hat ein Bild gemalt,
ich muβte es gleich haben.
Mein Nachbar flocht ein Körbchen fein,
ich muβte es gleich haben.
Mein Nachbar schnitzte eine Uhr,
ich muβte sie gleich haben.
Mein Nachbar saβ im leeren Haus,
ich muβte es gleich haben.

So bin ich allem Schönen hold
und habe es erworben.
Mein Freund ist auf dem Weg zu mir
vor Atemnot gestorben.
Jetzt hab ich Bild und Korb und Uhr,
sein Werkzeug auch genommen,
mein Haus ist voll, der Nachbar tot;
mehr kann ich nicht bekommen.

Wer weiβ jetzt, was ich wünschen soll?
Erfindet neue Sachen!
Nichts da, was ich gleich kriegen kann?
Ich hab nichts mehr zum Lachen.
Ich weiβ nicht, daβ es Stumme gibt,
die warten, warten, warten,
bis sich ihr Mund mit Jubel füllt
am Ende ihrer Fahrten.

4. März 1963